Abizeitung

Danke jedem Augenblick des Seins und verewige ihn.

Wassilij Wassiljewitsch Rosanow (1856 – 1919)
russischer Publizist, galt als geistreicher bis maliziöser Kritiker der zeitgenössischen Gesellschaft

Was ist eine Abizeitung?

Eine Abiturzeitung ist ein Andenkenbuch von Abschlussklassen der gymnasialen Oberstufe. Die Begriffe „Abizeitung“, „Abibuch“ oder auch „Maturazeitung“ werden synonym verwendet.

Die Abizeitung ist eines der wichtigsten Projekte im Rahmen der Abi-Feierlichkeiten. In Deutschland und Österreich erscheint sie einmalig pro Abiturjahrgang, in der Schweiz klassenweise.

Von den Abiturienten in Eigenverantwortung erstellt, stellt eine gute Abizeitung eine schöne Erinnerung an die Schulzeit und die Schülerschaft dar. So könnt ihr euch als Entlassungsschüler gemeinsam mit euren Familien und eurem Freundeskreis noch Jahre später an die Schulzeit erinnern.

Wäre es nicht schon, in 20 Jahren mit dem Ehepartner und euren gemeinsamen Kindern vor dem Kamin zu sitzen und euch über alte Zeiten, verflossene Lieben, sowie erreichte und verfehlte Ziele zu unterhalten? Wer dann noch die Abizeitung aus der Kiste holt, ist klar im Vorteil: Denn Gesichter verblassen mit der Zeit und Namen geraten in Vergessenheit.

Eine Abizeitung ist dafür da, die Erinnerungen an eine vielleicht schon verblasste Lebensphase auf die
unterschiedlichsten Arten festzuhalten. Das kann auf unterschiedlich Weise, z.B. auch durch einzelne Fotos und Videos erfolgen.

Doch die Grundlage bildet die nach wie vor beliebteste Form des Erinnerungsspeichers: Die klassische Abizeitung. Dabei handelt es sich je nach Umfang um eine Art Heft, Magazin oder Buch, die von den Abiturienten in Eigenverantwortung erstellt wird und die gemeinsame Erlebnisse der Schulzeit zusammenfasst.

Viele Abschlussklassen erstellen inzwischen Zusatzmaterial, wie CD-ROMs oder sogar DVDs, die prall gefüllt mit Bilder, Videos, Geschichten, Interviews und Songs Erinnerungen „konservieren“.

Damit die Abizeitung kein Flop wird, sind eine gute Vorbereitung, Organisationstalent und ein hohes Maß an Durchhaltevermögen notwendig. Auch wenn an der Abizeitung oft eine Vielzahl an Schülern mitwirkt, so übernimmt die Redaktion die Kernarbeit.

Zu den Aufgaben zählen u.a. das Bilden von Arbeitsgruppen und Verteilen von Aufgaben, die Sponsorensuche, der Verkauf von Werbeseiten, sowie die Überprüfung der Arbeitsabläufe.

Die Abizeitung ist mit Sicherheit das aufwändigste und arbeitsintensivste Projekt, dass es in Vorbereitung auf euren Abschluss zu bewältigen gilt. Damit ihr nicht den Überblick verliert und überflüssige Aufgaben vermeidet, solltet ihr möglichst früh mit der Planung der Abizeitung beginnen.

Geht strukturiert und organisierter an das Projekt Abizeitung heran – Dann wir das Ergebnis auch zu einer unvergesslichen Erinnerung auf Lebenszeit werden!

Welche Aufgaben kommen bei der Abizeitung auf uns zu?

Von der Idee bis zum Verkauf ist es noch ein langer Weg. Grundsätzlich lässt sich das Projekt „Abizeitung“ in folgende Aufgabenbereiche unterteilen:

  1. Bildung des Abizeitungs-Komitees
  2. Festlegung von Inhalt und Umfang
  3. Ausführung & Budget
  4. Terminierung
  5. Bildung von Arbeitsgruppen & Sammeln von Daten
  6. Erstellung der Abizeitung
  7. Finanzierung & Refinanzierung
  8. Preisgestaltung & Verkauf

Die Abizeitung ist ein umfangreiches Gemeinschaftsprojekt des gesamten Jahrgangs. Das Mitwirken einzelner Schüler ist ebenso wichtig, wie eine gute Leitung des Abizeitungs-Komitees.

Wann sollen wir mit der Abizeitung beginnen?

Beginnt mit der Planung eurer Abizeitung möglichst früh. Die Vorbereitungen sind sehr umfangreich und können ein halbes Jahr und länger in Anspruch nehmen.

Zudem ist das Abizeitungs-Komitee auf das Mitwirken vieler Schüler angewiesen. Das Zusammentragen der einzelnen Abizeitungs-Inhalte braucht seine Zeit. Bei Teamwork ist es völlig normal, dass es zu Unstimmigkeiten kommt und Termine nicht immer eingehalten werden.

Plant daher vorausschauend, sodass ihr ausreichend Zeitpuffer habt. Schließlich soll die Abizeitung nicht für Stress und Panik sorgen, sondern vor allem Spaß machen!

Fangt daher spätestens ein halbes Jahr vor Abschluss, besser 1-2 Monate früher, mit der Planung der Abizeitung an.

Wie bilden wir das Abizeitungs-Kommitee?

Überlasst bei der Abizeitung nichts dem Zufall. Zunächst müssen Freiwillige gefunden werden, die Lust haben, an der Abizeitung mitzuwirken.

Macht auf einer Jahrgangsversammlung einen Termin aus, bei dem sich alle interessierten Schüler zusammenfinden, die gerne im Abizeitungs-Komitee arbeiten möchten.

Wählt bereits beim ersten Treffen einen zuverlässigen Chefredakteur aus eurem Kreis.

Welche Aufgaben hat der Chefredakteur der Abizeitung?

Es ist wichtig eine Person zu ernennen, die den Überblick über alle Vorgänge behält, das Gemeinschaftsprojekt koordiniert, sich verantwortlich fühlt und die Arbeit bis zum Schluss vorantreibt.

Der gewählte Vorsitzende für das Abizeitungs-Kommitee hält alle Fäden zusammen, ist über den aktuellen Stand informiert und bis zur Fertigstellung der Abizeitung verfügbar. Er trägt eine große Verantwortung, die es nicht zu unterschätzen gilt.

Auch wenn die Position des Chefredakteurs verlockend klingt: Auf die Person kommt viel Arbeit zu. Daher sollte der Vorsitzende auch genügend Freizeit haben, um das Projekt Abizeitung gewissenhaft leiten und koordinieren zu können.

Am besten wählt ihr einen zuverlässige Person, die nicht allzu stark in andere Abi-Projekte eingebunden ist und der ihr die Leitung der Abizeitung anvertrauen könnt.

Der Chefredakteur ist nicht nur Koordinator, sondern auch direkter Ansprechpartner für Mitschüler, Druckerei, Anzeigenpartner etc. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten nur eine Person haben, an die sie sich bei Fragen und Problemen wenden können, um Missverständnisse bei der Abstimmung zu vermeiden.

Wie groß sollte das Abizeitungs-Kommitee sein?

Erfahrungsgemäß melden sich am Anfang viele Freiwillige, die am Abizeitungs-Kommitee mitwirken möchten. Das ist auch gut so, da bei der Vielzahl an Aufgaben jede helfende Hand gerne willkommen ist.

Grundsätzlich geht die Arbeit in kleineren Gruppen effizienter vonstatten, als in einer großen Gruppe. Versucht daher, alle Freiwilligen zu integrieren, die Aufgaben gut zu verteilen und Tätigkeiten zu delegieren.

Die große Gruppe an freiwilligen Mitwirkenden sortiert sich somit in kleinere Untergruppen ein. Die optimale Gruppengröße pro Aufgabenbereich sind 5 bis 7 Mitglieder. Bei komplexen Aufgaben oder Tätigkeiten für die spezialisierte Gruppenmitglieder erforderlich sind (z.B. beim Design & Layout), sind hingegen größere Gruppen von Vorteil. Es empfiehlt sich eine ungerade Personenzahl, um „Patt-Situationen“ bei Abstimmungen zu vermeiden.

Auch wenn einige Gruppen anfangs zu groß erscheinen: Letztendlich verbleibt am Ende meist eine kleine Gruppe, die sich für die Aufgaben verantwortlich fühlt. Diese Mitschüler opfern viel Zeit und tragen entscheidend zum Gelingen der Abizeitung bei.

Es ist daher nicht nötig, die (zu große) Gruppengröße künstlich zu verkleinern. Das passiert von ganz alleine. Dem Chefredakteur sollte daher von Vornerein klar sein, dass das größere Team am Anfang des Schuljahres mit der Zeit auf einen kleinen, aber harten Kern zusammenschrumpfen wird.

Verteilt die Aufgaben am besten nicht sofort beim ersten Treffen. Zum einen springen erfahrungsgemäß noch einige Mitschüler ab. Zum anderen müsst ihr euch vor der Einteilung in Arbeitsgruppen erst über Inhalt und Umfang der Abizeitung verständigen.

Wo häufig sollte sich das Abizeitungs-Kommitee treffen?

Regelmäßige Treffen von Abizeitungs-Kommitee und Chefredakteur sind wichtig, um den aktuellen Stand der Planungen zu besprechen und rechtzeitig auf Probleme und Schwierigkeiten reagieren zu können.

Was muss noch alles gemacht werden? Hängt es an irgendeiner Stelle? Benötigt jemand Unterstützung? Besprecht diese und andere Fragen bei gemeinsamen Treffen, die z.B. einmal pro Woche stattfinden.

Wie sieht euer Abizeitungs-Konzept aus?

Nach der Wahl des Abizeitungs-Kommitees und des Cefredakteurs, geht es nun darum, Ideen zu sammeln und ein erstes Konzept auf die Beine zu stellen.

Folgende Fragen gilt es zu klären:

  • Wie Inhalte sollen rein?
  • Wie soll die Struktur aussehen (Rubriken)?
  • Welchen Umfang soll die Abizeitung haben?
  • Welches Budget steht uns zur Verfügung?
  • Wie hoch soll die Auflage sein?

Das erste Treffen des Abizeitungs-Kommitees sollte der Ideenfindung dienen. Bei einem offenen Brainstorming kann jeder seine Ideen, Vorschläge und Einfälle zur Abizeitung einbringen.Überlegt euch, was auf jeden Fall in die Abizeitung soll und geht auch auf verrückte Einfälle ein. Am besten ihr notiert alles schriftlich, damit auch keine Idee verloren geht.

Natürlich lässt sich im Endprodukt nicht jede Idee verwirklichen. Spontane, kreative, irre und verrückte Vorschläge, wie sie bei einem Brainstorming oft vorkommen, können später als Inspiration für umsetzbare Möglichkeiten dienen.

Werft auch einen Blick in die Abizeitungen bzw. Abibücher vergangener Abiturjahrgänge. Vielleicht haben Freunde, Bekannte oder Familie noch irgendwo eine Abizeitung aus ihrer Schulzeit liegen, die ihr bei der Ideenfindung nutzen könnt. Holt euch Inspirationen für Ideen oder schärft euren Blick für Fehler, die ihr in eurer Abizeitung auf jeden Fall vermeiden wollt.

Welcher Schreibstil ist angebracht?

Der Schreibstil der Abizeitung ist meist locker und lustig. Achtet bei der Charakterisierungen von Schülern und Lehrern und Rankings darauf, dass sie nicht beleidigend werden. Niemand sollte sich durch unbedachte Äußerungen oder gemeine Witze verletzt fühlen. Rankings zum „hässlichsten Schüler“ oder dem „unfreundlichsten Lehrer“ sind absolut fehl am Platz.

Die Textqualität (Ausdruck, Rechtschreibung etc.) kann je nach Autor verschieden sein. Da viele Schüler an der Abizeitung mitwirken, sind Rechtschreibfehler und schlechter Ausdruck nicht immer zu vermeiden. Um bei Textqualität und sprachlicher Korrektheit einen gewissen Standard einzuhalten, sollten die Texte vor dem Druck gegengelesen und ggf. korrigiert werden.

Diese Arbeit kann z.B. ein guter Deutsch-Schüler der jeweiligen Arbeitsgruppe übernehmen. Alternativ könnt ihr vor dem Druck auch ein Team aus rechtschreibsicheren Schülern zusammenstellen, die die gesamte Abizeitung abschließend Korrektur lesen.

Wonach richtet sich die Auflage?

Die Größe eures Jahrgangs ist ein erster Richtwert, um die Auflage eurer Abizeitung zu bestimmen. Schließlich sollte zumindest jeder Abiturient ein Exemplar sein Eigen nennen dürfen.

Die Auflage richtet sich auch nach Familie und Freunden, die eine Abizeitung erhalten sollen. Am besten startet ihr eine Umfrage unter allen Abiturienten, wie viele Exemplare der Abizeitung sie für ihr persönliches Umfeld benötigen.

Hinzu kommen Exemplare für die Lehrer und Schüler jüngerer Jahrgänge. Die Abizeitung ist eine wichtige Einnahmequelle für eure Abikasse. Euer Ziel ist es natürlich, später möglichst viele Zeitungen an den Mann bzw. Schüler zu bringen. Je nach Verkaufspreis, sowie Ort und Häufigkeit der Verkaufsveranstaltung, kann die Nachfrage höher oder niedriger ausfallen.

Es gilt somit realistisch einzuschätzen, wie viele Exemplare der Abizeitung sich zum später festgesetzten Preis voraussichtlich verkaufen lassen. Im Normalfall wird nicht jeder Schüler eurer Schule eine Abizeitung kaufen. Setzt die Auflage daher nicht allzu hoch an.

Wie finden wir die richtige Druckerei?

Bevor ihr mit dem Anlegen der Druckdaten beginnt, solltet ihr euch für eine Druckrei entschieden haben, da die Anforderungen z.T. sehr unterschiedlich sind.

Das Angebot an Druckereien, die euch den Druck der Abizeitung anbieten, ist sehr groß. Ob kleine, lokale Druckerei, Großdruckereien oder Online-Druckereien – Nicht nur die Anbieter, auch die Preise unterscheiden sich oftmals erheblich!

Bevor ihr an eine Druckerei herantretet, solltet ihr im besten Fall bereits eine konkrete Vorstellung von eurer Abizeitung haben. Fragen rund um Größe, Farbe, Fotos, Papier, Cover, Format und Auflage gilt es vorab zu klären.

Ebenso solltet ihr einen Zeitrahmen für den Druck, sowie die Lieferung bzw. Abholung festlegen. Je gründlicher ihr vorbereitet seid, umso besser und schneller könnt ihr auf entwaige Fragen der Druckerei reagieren.

Bei der Suche nach der richtigen Druckerei für eure Abizeitung, solltet ihr euch ausreichend Zeit nehmen und möglichst viele unterschiedliche Angebote vergleichen. Greift nicht beim erstbesten Angebot zu, da sich dieses im Nachhinein schnell als zu teuer herausstellen kann. Das wäre ärgerlich!

Doch auch das günstigste Angebot ist nicht immer das beste, da der billige Preis oft zulasten der Qualität geht. Im schlimmsten Fall zahlt ihr doppelt! Wählt am besten den goldenen Mittelweg und nehmt das Preis-Leistungs-Verhältnis gründlich unter die Lupe.

Für die Abizeitung lohnt es sich, lieber ein paar Euro mehr auszugeben, um auch noch einige Jahre später auf eine schöne Erinnerung in gutem Zustand zurückgreifen zu können!